|
Depression
...
Zu Hause ging es
mir
bereits am sechsten Tag nach der
Entlassung wieder schlechter, ich brachte das Frühstück nur
über mich, weil ich die Aussicht hatte, mich gleich danach wieder
ins Bett zu legen und in den Schlaf und die wohltuenden Träume zu
flüchten, in denen mich ein gesundes und handlungsfähiges Ich
erwartete. Erst abends schaffte ich es, für etliche Stunden
durchgehend auf zu bleiben … Schließlich musste ich sogar
mittags vor dem Essenkochen kapitulieren. Mein Mann nahm sich
dessen an und mich quälten gleichzeitig noch mehr Gefühle der
eigenen Unfähigkeit.
![]() "Der Schatten" -
Frühjahr 2008
Manie
...
... ich stieg mit
meinem Rucksack und Miss Punkie aus und machte mich zu Fuß auf
den Weg Richtung Cadaqués. Mein Ziel war der
Aufenthaltsort von Salvador Dalí, den ich genial fand und
bewunderte. Ich lief Serpentinen über gebirgiges Gelände
entlang - einsam, aber frohen Mutes. Schließlich erreichte ich
einen aus dem Boden gestampften Urlaubsort, der einer gigantischen
Geisterstadt glich, weil ich außerhalb der Saison unterwegs war -
Anfang Januar 1987. Ich wanderte durch die verlassenen Straßen.
Als die Sonne schien, wurde mir mein gefütterter Wintermantel zu
warm. Ich zog ihn aus und legte ihn über den Arm. Nun waren auf
der Straße auch Autos unterwegs. Ich hielt den Daumen hoch um
mitfahren zu können. Ein Autofahrer hielt an, doch als er mein
Meerschweinchen bemerkte, lehnte er vehement ab.
Später hatte ich mehr Glück: Zwei Männer in einem Jeep stoppten und nahmen mich mit. Sie fragten mich, aus welchem Land ich käme. Damals hatte ich - ursprünglich blond - schwarz gefärbte Haare und ich ließ die beiden einfach raten. Sie meinten schließlich, ich käme aus Italien. Da klärte ich sie über meine Herkunft auf - ihr Lachen überschüttete mich. Sie waren unterwegs zu dem Aufenthaltsort ihrer Kollegen, die auf freier Flur das Mittagessen bei offenem Feuer brieten. Sie luden mich zum Mittagessen ein. Es waren Eisenbahnarbeiter, die einen eigenen Waggon bewohnten. Als ich mich zum Essen zu ihnen gesellte, boten sie mir auch Wein aus einem Bocksbeutel an. Sie demonstrierten, wie sie den Wein direkt in den Mund spritzen konnten und wollten, dass ich es nachmachte. Zu ihrer aller Belustigung ging das Meiste daneben ... ![]() Macht der Erinnerung
(1989, Ausschnitt)
Psychose ...
... ohne noch auf
irgendwelche Verkehrsregeln zu achten, preschte ich auf meinem
Mountainbike nach Hause. Als ich dort war, war es mir unmöglich,
in Ruhe nach meinem Schlüsselbund zu kramen. Solange ich
draußen war, war ich der Macht des Bösen ausgesetzt - es
konnte mich immer noch erreichen mit dem unbedingten Willen, mich zu
vernichten! Ich läutete also Sturm bei einer Nachbarin - es muss
ca. 2:30 Uhr gewesen sein. Aufgescheucht und fassungslos machte sie mir
auf. Drinnen in meiner Wohnung vernichtete ich erst einmal
gründlich die Bilder von der Mumie. Ich kriegte auch danach
natürlich kein Auge zu. Der Gedanke an Schlaf war absurd. Ich
wartete ungeduldig bis die nächsten Stunden verstrichen waren.
Sobald es 5:30 Uhr war, fuhr ich mit meinem Fahrrad los, in die Arbeit.
Ich musste irgendwie zu meinen Kollegen kommen, nur da konnte ich mich
sicher fühlen, von meiner Wohnung aus war ja die Macht der dunklen
Mumie, die ich gezeichnet hatte, ausgegangen - sie hatte mich
schließlich inmitten der Stadt fast gestellt.
Im Postamt verhielt ich mich so wie jemand, der nichts mehr zu verlieren hat. Ich musste meinen knappen Sieg über das Böse, meinen Triumph zeigen. So warf ich gesammelte Briefe aus den Fenstern des Verteilersaals - es sollte eine Demonstration meines Sieges für die Außenwelt sein - die Dämonen würden es sofort verstehen! Es wurden Durchsagen gemacht, die besagten, dass Post aus den Fenstern geworfen würde. Wer den Urheber beobachtet habe, solle sich melden. Bald kamen Vorgesetzte auf mich und mein Steckregal zu - ich ergriff die Flucht, stürmte Treppenabsätze hinunter. Fast hatten sie mich, sie hielten mich an meiner Lederjacke fest, ich aber entledigte mich ihrer und ließ sie zurück ... |